Anwendungsgebiete der Akupunktur

Von akuten und chronischen Schmerzen bis zur Gesundheitsförderung

Akupunktur ist ein wesentliches Behandlungsverfahren innerhalb der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und inzwischen fester Bestandteil einer modernen integrativen Medizin. In wissenschaftlichen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass Akupunktur die Schmerzwahrnehmung und viele vegetative Funktionen positiv beeinflusst.

Die Wirkung beruht auf einer Regulation von Nervenbahnen, Botenstoffen und Durchblutung. Zahlreiche neurophysiologische Studien zeigen, dass Akupunkturreize die Ausschüttung körpereigener schmerzhemmender und entspannender Substanzen (Endorphine, Serotonin, Noradrenalin) anregen. Dadurch können Schmerzen gelindert, Muskelverspannungen gelöst und vegetative Funktionen harmonisiert werden.
In der täglichen Praxis wird Akupunktur sowohl zur Behandlung akuter Beschwerden als auch bei chronischen und funktionellen Störungen eingesetzt. Sie kann allein oder in Kombination mit anderen Verfahren, etwa Physiotherapie, Manualtherapie, medikamentöser Therapie oder Psychotherapie, angewendet werden.

Die Studienlage hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich erweitert: Große, methodisch hochwertige Studien und Meta-Analysen belegen die Wirksamkeit besonders bei chronischen Schmerzen, Kopf- und Gelenkbeschwerden, funktionellen Störungen sowie psychosomatischen Leiden.

Im Folgenden sind die wichtigsten Anwendungsgebiete der ärztlichen Akupunktur zusammengefasst – jeweils mit den entsprechenden wissenschaftlichen Grundlagen und den Ergebnissen relevanter Studien.

Arztsuche für Akupunktur und TCM

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Rückenschmerzen und Wirbelsäulenerkrankungen

Rückenschmerzen gehören zu den am besten erforschten Einsatzgebieten der Akupunktur. Besonders bei chronischen, unspezifischen Rückenschmerzen hat sich Akupunktur als wirksam erwiesen. Zahlreiche hochwertige Studien, insbesondere die großen deutschen Modellprojekte (GERAC und ART), belegen die klinische Relevanz.

Langzeituntersuchungen zeigen, dass Akupunktur nicht nur Schmerzen mindern, sondern auch die körperliche Funktion verbessern und den Medikamentenbedarf senken kann. Die Patientenzufriedenheit und funktionelle Alltagsfähigkeit nehmen signifikant zu.

Akupunktur kann bei akuten oder chronischen Rückenschmerzen ergänzend zu Bewegungstherapie, Physiotherapie und medikamentöser Behandlung eingesetzt werden. Für chronische Lumbalgien gehört sie zu den wissenschaftlich anerkannten Therapieoptionen, die in die Regelversorgung aufgenommen wurden.

Gesetzliche Grundlage der Kostenübernahme

Bei chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule wird die Kostenübernahme der Körperakupunktur von den gesetzlichen Krankenkassen getragen, sofern die Behandlung von Ärztinnen oder Ärzten mit qualifizierter Zusatzausbildung durchgeführt wird. Dies geht auf die Beschlüsse des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zurück.

Wissenschaftliche Studien und Ergebnisse

Diese große, multizentrische deutsche Studie mit 1 162 Patient:innen verglich Akupunktur, Scheinakupunktur und leitliniengerechte Standardtherapie.

Ergebnis: Sowohl echte als auch Scheinakupunktur zeigten etwa doppelt so hohe Verbesserungsraten wie die konventionelle Therapie; fast 48 % der Akupunkturpatient:innen hatten eine dauerhafte Schmerzreduktion.

Archiv Intern Med., 2007 Sep 24; 167(17): 1892–1898.  (Quelle:  https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17893311)

Randomisierte Studie mit 298 Patient:innen an 30 deutschen Zentren (Charité Berlin).

Ergebnis: Akupunktur reduzierte die Schmerzintensität signifikant im Vergleich zu Warteliste – Unterschied ca. 22 mm auf der VAS-Skala. Die Wirkung hielt auch  nach 26 und 52 Wochen an.

Archiv Intern Med., 2006 Feb 27; 166(4): 450–457. (Quelle:  https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16505266)

Praxisnahe Untersuchung mit über 3 500 Teilnehmenden.

Ergebnis: Deutliche Schmerzreduktionen und bessere Lebensqualität im Vergleich zu Routineversorgung. Die Akupunktur erwies sich auch als kosteneffektiv.

American Journal of Epidemiology, 2006 Jun 23; 164(5): 487–496. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16809619)

Studie aus den USA mit weit über 600 Patient:innen. Zeigte signifikante Schmerzreduktionen sowohl durch echte als auch durch simulierte Akupunktur gegenüber Standardversorgung – die Autoren hoben insbesondere den dauerhaft positiven Effekt nach 12 Wochen hervor.

Arch Intern Med., 2009 May 11; 169(9): 858–866. (Quelle:  https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19433697)

Diese internationale Metaanalyse vereinte Daten von 29 hochwissenschaftlichen Studien mit 17 922 Patient:innen (u. a. GERAC, ART, UK Studies).

Ergebnis: Akupunktur war in allen chronischen Schmerzgruppen  (Rücken, Nacken, Arthrose, Kopf) signifikant wirksamer als Sham und keine Behandlung. Es zeigte sich eine effektstarke klinisch relevante Reduktion von Schmerzen und Funktionsstörungen.

Arch Intern Med., 2012 Oct 22; 172(19): 1444–1453. (Quelle:  https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3658605/)

Zusammenfassung

  • Akupunktur ist bei chronischen Rückenschmerzen wissenschaftlich gut belegt.
  • Sie zeigt eine deutliche Schmerzreduktion und eine bessere körperliche Funktion.
  • Studien belegen einen anhaltenden Effekt über mindestens sechs Monate.
  • Akupunktur ist kosteneffektiv und sicher, wenn sie ärztlich durchgeführt wird.
  • Beide großen deutschen Modellvorhaben führten zur Aufnahme in die GKV-Regelversorgung.

Weitere Hintergrundquellen

  • Gemeinsamer Bundesausschuss: Abschlussbericht Akupunkturmodellvorhaben, 2007 — https://backup.daegfa.de/www.g-ba.de/downloads/40-268-487/2007-09-27-Abschluss-Akupunktur.pdf
  • Übersicht Bundesärztekammer GOÄ — https://www.baek.de/
  • Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) — https://www.gesetze-im-internet.de/go__1982/index.html

Kniegelenksarthrose und Gelenkschmerzen

Arthroseschmerzen, insbesondere im Bereich des Kniegelenks, gehören zu den häufigsten chronischen Schmerzerkrankungen im Alter. Akupunktur kann bei diesen Beschwerden die Schmerzen deutlich reduzieren und die Gelenkfunktion verbessern. Sie wirkt ergänzend zur konventionellen Therapie (Bewegung, Gewichtsregulation, Physiotherapie) und stellt eine anerkannte Leistung der gesetzlichen Krankenkassen bei chronischen Knieschmerzen dar.

Zahlreiche Studien, vor allem aus Deutschland, den USA und China, zeigen die klinische Wirksamkeit und bestätigen die hohe Patientenzufriedenheit. Die Wirkung tritt meist nach einer Serie von etwa zehn bis zwölf Behandlungen ein und kann über Monate anhalten.

Wissenschaftliche Studien und Ergebnisse

Diese groß angelegte Studie untersuchte über 3 500 Patienten mit chronischer Gonarthrose. Akupunktur führte zu einer signifikant stärkeren Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung als die Standardtherapie allein.

Annals of Internal Medicine, 2005; 142(12): 918–925. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15968009)

Verglich traditionelle Akupunktur mit Schein- und Standardtherapie bei 1 007 Patienten. Die Verbesserungen in Schmerz und Funktionsskalen waren nach Akupunktur signifikant größer und hielten über mindestens sechs Monate an.

Annals of Internal Medicine, 2006; 145(1): 12–20. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16818924)

Amerikanische Multicenter-Studie mit 570 Teilnehmern: Nach acht Wochen Akupunktur zeigte sich eine signifikante Reduktion der Schmerzen (−40 % VAS) und eine verbesserte Gehfunktion. Die Autoren empfahlen Akupunktur als ergänzende konservative Behandlungsoption.

Annals of Internal Medicine, 2004; 141(12): 901–910. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15611487)

In dieser übergeordneten Analyse zahlreicher Studien (n = 17 922 Patienten) war Akupunktur auch bei arthrosebedingten Schmerzen signifikant wirksamer als Scheinakupunktur und konventionelle Therapie.

Archives of Internal Medicine, 2012; 172(19): 1444–1453. (Quelle: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3658605/)

Ergebnisse im Überblick

  • Signifikante Schmerzlinderung bei Gonarthrose und anderen Gelenkbeschwerden
  • Verbesserung der Beweglichkeit und Lebensqualität
  • Nachgewiesener Langzeiteffekt über mindestens sechs Monate
  • Positive Wirkung in klinischen Großstudien (GERAC/ART)
  • Aufnahme der Akupunktur in die Regelversorgung bei chronischen Knieschmerzen durch den Gemeinsamen Bundesausschuss

Weitere Hintergrundquellen

  • Gemeinsamer Bundesausschuss – Abschlussbericht Akupunkturmodellvorhaben, 2007 (https://backup.daegfa.de/www.g-ba.de/downloads/40-268-487/2007-09-27-Abschluss-Akupunktur.pdf)
  • Bundesärztekammer – Informationen zur GOÄ und ärztlichen Abrechnung (https://www.baek.de/)
  • Gesetzliche Grundlage: Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ, Fassung 1982) (https://www.gesetze-im-internet.de/go__1982/index.html)

Schulterschmerzen, Nackenschmerzen und myofasziale Beschwerden

Beschwerden des Nacken- und Schultergürtels gehören zu den häufigsten muskuloskelettalen Schmerzbildern in der Praxis. Sie entstehen oft durch Fehlhaltung, muskuläre Dysbalance oder Überlastung. Akupunktur kann hier durch die Regulation von Muskelspannung und Durchblutung sowie durch eine zentrale Schmerzhemmung eine deutliche Linderung bewirken.

Bei myofaszialen Syndromen, insbesondere bei Triggerpunkten der Nacken- und Schultermuskulatur, findet sich sowohl in westlicher als auch in traditionell chinesischer Diagnostik eine stabile Evidenzlage für den Nutzen der Akupunktur und des Dry Needlings.

Wissenschaftliche Studien und Ergebnisse

Diese Studie untersuchte verschiedene nadel- und druckbasierte Therapieverfahren bei chronischen Nackenschmerzen. Die Ergebnisse zeigten eine signifikante Verringerung der Schmerzintensität und Verbesserung der Beweglichkeit in der Akupunktur- bzw. Dry-Needling-Gruppe.

American Journal of Physical Medicine & Rehabilitation, 2015. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25768071)

Randomisierte klinische Studie zur Wirksamkeit des Dry Needlings bei mechanisch bedingtem Nackenschmerz. Nach nur zwei Sitzungen zeigten die Probanden signifikant geringere Schmerzwerte und verbesserte Beweglichkeit.

Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy, 2014; 44(5): 336–343. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24568260)

Diese Übersichtsarbeit fasste die Wirksamkeit der Akupunktur bei verschiedenen muskuloskelettalen Schmerzen zusammen, einschließlich Nacken-, Schulter- und Rückenschmerz. Die Ergebnisse deuten auf eine moderate bis gute Wirksamkeit gegenüber keiner oder konventioneller Behandlung hin.

Cochrane Database of Systematic Reviews, 2005; Issue 1: CD001351. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15674923)

Systematische Übersichtsarbeit über die Anwendung der Akupunktur bei chronischem HWS-Syndrom nach Schleudertrauma. Mehrere eingeschlossene Studien zeigten eine signifikante Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung.

Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2014; Article ID 870794. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24899912)

Ergebnisse im Überblick

  • Signifikante Schmerzreduktion bei Nacken-, Schulter- und myofaszialen Schmerzen
  • Verbesserung der Beweglichkeit, Muskelentspannung und allgemeinen Funktionsfähigkeit
  • Nachweis durch mehrere randomisierte Studien und systematische Reviews
  • Gute Verträglichkeit und hohe Patientenzufriedenheit

Weitere Hintergrundquellen

  • Bundesärztekammer – Informationen zur GOÄ und ärztlichen Abrechnung (https://www.baek.de/)
  • Gesetzliche Grundlage: Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ, Fassung 1982) (https://www.gesetze-im-internet.de/go__1982/index.html)

Kopfschmerzen und Migräne

Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Schmerzerkrankungen. Akupunktur wird sowohl zur Behandlung akuter Kopfschmerzattacken als auch zur langfristigen Migräneprophylaxe eingesetzt. Studien zeigen, dass regelmäßige Akupunkturbehandlungen Häufigkeit und Intensität von Kopfschmerzattacken deutlich verringern können und in der Wirksamkeit etablierten medikamentösen Verfahren gleichkommen.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Migräne und Spannungskopfschmerz zu den anerkannten Indikationen für Akupunktur. Patientinnen und Patienten berichten zusätzlich von besserem Schlaf, gesteigertem Wohlbefinden und geringerem Medikamentenverbrauch.

Wissenschaftliche Studien und Ergebnisse

Die große deutsche GERAC-Studie zur Migräneprophylaxe mit über 900 Teilnehmer:innen verglich Akupunktur, Scheinakupunktur und Standardtherapie (Beta-Blocker/Antidepressiva).

Ergebnis: Akupunktur reduzierte die Migränefrequenz um mehr als 50 % bei über der Hälfte der Behandelten – vergleichbar mit pharmakologischer Prophylaxe, aber mit weniger Nebenwirkungen.

Lancet Neurology, 2006; 5(4): 310–316. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16545747)

Deutsche Multicenter-Studie mit 270 Patient:innen mit chronischem Spannungskopfschmerz. Nach 12 Sitzungen war die Kopfschmerzhäufigkeit in der echten Akupunkturgruppe um 50 % reduziert.

British Medical Journal (BMJ), 2005; 331(7513): 376–382. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16055451)

Systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration mit Einschluss von 22 randomisierten kontrollierten Studien (ca. 5 000 Patient:innen).

Ergebnis: Akupunktur ist mindestens ebenso wirksam wie prophylaktische Medikamente, mit deutlich besserem Nebenwirkungsprofil.

Cochrane Database of Systematic Reviews, 2009; Issue 1: CD001218. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19160193)

Bestätigt die Wirksamkeit der Akupunktur gegen Spannungskopfschmerz. Im Vergleich zu Wartelisten- oder Standardtherapiegrupppen zeigten Akupunktur-Patient:innen signifikant reduzierte Kopfschmerztage und geringere Schmerzwerten im Langzeitverlauf.

American Journal of Chinese Medicine, 2010; 38(4): 655–669. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20712556)

Ergebnisse im Überblick

  • Verringerung von Häufigkeit und Intensität bei Migräne und Spannungskopfschmerz
  • Vergleichbare Wirksamkeit zu medikamentöser Prophylaxe, aber besseres Nebenwirkungsprofil
  • Belegt durch große deutsche Studien (GERAC, ART) und internationale Metaanalysen
  • Zusätzliche Verbesserung von Schlaf, Wohlbefinden und Stressregulation

Weitere Hintergrundquellen

  • WHO – Official Position on Acupuncture and Indications (https://www.evidencebasedacupuncture.org/who-official-position)
  • Bundesärztekammer – Informationen zur ärztlichen Qualifikation und Fortbildung Akupunktur (https://www.baek.de/)
  • Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) (https://www.gesetze-im-internet.de/go__1982/index.html)

Allergien und Atemwegserkrankungen

Akupunktur wird zunehmend zur Behandlung allergischer Erkrankungen eingesetzt – etwa bei saisonaler allergischer Rhinitis (Heuschnupfen), allergischem Asthma und chronischer Sinusitis. Die Behandlung zielt auf eine Modulation des Immunsystems, die Dämpfung von Entzündungsreaktionen sowie die Stabilisierung vegetativer Funktionen ab.

Klinische Studien belegen, dass Akupunktur Juckreiz, Niesreiz, Nasenverstopfung und Schleimhautschwellung deutlich reduzieren kann. Außerdem zeigen Messungen immunologischer Marker (wie IgE- und Interleukin-Spiegel) eine anti-inflammatorische Wirkung der Akupunktur.

Wissenschaftliche Studien und Ergebnisse

Diese große deutsche Multicenter-Studie (ACUSAR-Projekt, rund 400 Patienten) zeigte, dass Akupunktur im Vergleich zu Standard-Medikation und Wartelistenkontrolle signifikant die Symptome von Heuschnupfen sowie den Bedarf an Antihistaminika senkte.

Annals of Allergy, Asthma & Immunology, 2013; 111(4): 273–279. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24054380)

Randomisierte australische Studie über zehn Wochen. Ergebnis: Deutliche Besserung von Niesreiz, Rhinorrhoe und Verstopfung, sowie signifikant weniger Medikamentenbedarf. Die Wirkung hielt auch nach der Behandlungsphase an.

Medical Journal of Australia, 2002; 176(9): 469–473. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12056948)

Systematische Übersichtsarbeit mit 13 randomisierten Studien. Die Akupunktur führte zu einer klinisch relevanten Verbesserung der Nasensymptome und Lebensqualität bei Patienten mit allergischer Rhinitis.

Allergy, 2013; 68(4): 431–441. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23316873)

Deutsche Pilotstudie an der Universität Heidelberg mit Asthma-Patienten. Unter Akupunkturbehandlung verbesserten sich Lungenfunktionsparameter (FEV₁, Peak Flow) und immunologische Marker (IgE).

European Journal of Medical Research, 2000; 5(9): 402–406. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11032339)

Ergebnisse im Überblick

  • Wirksamkeit bei saisonaler und persistierender allergischer Rhinitis (Heuschnupfen) mehrfach nachgewiesen
  • Signifikante Reduktion von Symptomen und Medikamentenbedarf
  • Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens und der Schlafqualität
  • Hinweise auf immunmodulierende, entzündungshemmende Wirkmechanismen

Weitere Hintergrundquellen

  • WHO – Official Position on Acupuncture and Indications (https://www.evidencebasedacupuncture.org/who-official-position)
  • Bundesärztekammer – Informationen zur ärztlichen Qualifikation und Fortbildung Akupunktur (https://www.baek.de/)
  • Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) (https://www.gesetze-im-internet.de/go__1982/index.html)

Stress, Schlafstörungen und psychosomatische Beschwerden

Akupunktur kann eine regulierende Wirkung auf das vegetative Nervensystem und die Stressverarbeitung haben. Sie fördert innere Ruhe, stabilisiert die Schlafqualität und wirkt unterstützend bei funktionellen oder psychosomatischen Beschwerden.

Die Forschung weist darauf hin, dass Akupunktur über neuroendokrine Mechanismen (u. a. Beeinflussung von Serotonin-, Endorphin- und Cortisolspiegeln) zur Stressminderung beiträgt. Auch die Schlafarchitektur kann durch eine Reduktion vegetativer Übererregung verbessert werden.

Wissenschaftliche Studien und Ergebnisse

Kanadische Studie mit Patienten, die an primärer Insomnie litten. Akupunktur erhöhte den nächtlichen Melatoninspiegel signifikant und verbesserte Schlafqualität und Einschlafdauer.

Journal of Neuropsychiatry and Clinical Neurosciences, 2004; 16(1): 19–28. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/14990756)

Systematische Übersichtsarbeit von 46 randomisierten Studien mit über 3 800 Patientinnen und Patienten. Die Analyse zeigte eine klare Überlegenheit der Akupunktur gegenüber Wartegruppen und pharmakologischer Standardtherapie, mit deutlich weniger Nebenwirkungen.

Sleep Medicine, 2009; 10(7): 694–704. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18950955)

Übersichtsarbeit über neurophysiologische Mechanismen: Akupunktur senkt nachweislich Cortisolspiegel, beeinflusst limbische Hirnareale und aktiviert endogene Schmerz- und Entspannungssysteme.

Autonomic Neuroscience, 2012; 157(1-2): 5–8. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22197370)

Umfassende Metaanalyse asiatischer und westlicher Studien.

Ergebnis: signifikante Reduktion von Angst-, Stress- und Depressionswerten im Vergleich zu Kontrollgruppen. Verbesserte Lebensqualität und emotionale Stabilität.

Medicine (Baltimore), 2018; 97(42): e12961. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30313027)

Ergebnisse im Überblick

  • Nachweisbare Reduktion von Stresshormonen und vegetativer Übererregung
  • Verbesserung der Einschlafzeit und Schlafqualität
  • Positive Effekte bei Angst- und Stresssymptomen
  • Nebenwirkungsarme Alternative oder Ergänzung zu konventioneller Therapie

Weitere Hintergrundquellen

  • WHO – Official Position on Acupuncture and Indications (https://www.evidencebasedacupuncture.org/who-official-position)
  • Bundesärztekammer – Informationen zur ärztlichen Qualifikation und Fortbildung Akupunktur (https://www.baek.de/)
  • Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) (https://www.gesetze-im-internet.de/go__1982/index.html)

Frauenheilkunde, Zyklus- und Wechseljahresbeschwerden

In der Gynäkologie wird Akupunktur seit vielen Jahren zur Behandlung funktioneller und hormoneller Beschwerden eingesetzt. Typische Anwendungsgebiete sind Regelschmerzen (Dysmenorrhö), prämenstruelles Syndrom (PMS), klimakterische Beschwerden mit Hitzewallungen, Schweißausbrüchen oder Schlafstörungen sowie unterstützend bei Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft.

Durch die Wirkung auf das vegetative Nervensystem und die hormonelle Regulation kann Akupunktur Schmerzen lindern, die Stimmung stabilisieren und das Gleichgewicht zwischen Hypothalamus, Hypophyse und Ovarien positiv beeinflussen.

Wissenschaftliche Studien und Ergebnisse

Systematische Übersichtsarbeit von 27 Studien mit über 2 600 Frauen.

Ergebnis: Akupunktur reduzierte Schmerzintensität und Medikamentenverbrauch signifikant im Vergleich zu keiner oder Scheinbehandlung.

BJOG: An International Journal of Obstetrics & Gynaecology, 2011; 118(8): 899–908. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21418049)

Eine weitere Metaanalyse bestätigt die signifikante Wirksamkeit der Akupunktur gegen Menstruationsschmerz, insbesondere bei wiederholten Behandlungszyklen.

BJOG: An International Journal of Obstetrics & Gynaecology, 2010; 117(9): 1155–1160. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20618355)

US-amerikanische Studie mit 209 klimakterischen Patientinnen. Nach 10 Wochen reduzierten sich Häufigkeit und Intensität der Hitzewallungen um 47 % gegenüber 24 % in der Kontrollgruppe. Der Effekt hielt bis 6 Monate nach Behandlungsende an.

Menopause, 2016; 23(6): 626–637. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26735539)

Australische Studie zeigte ebenfalls signifikante Reduktion klimakterischer Beschwerden, insbesondere Hitzewallungen und Schlafstörungen.

Annals of Internal Medicine, 2016; 164(3): 146–153. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26810712)

Überblicksarbeit zur Akupunktur bei Kinderwunsch. Zusammenfassung über 30 Studien zeigt, dass Akupunktur die Durchblutung des Endometriums verbessert und in manchen Subgruppen die Schwangerschaftsraten erhöhen kann.

Reproductive Biomedicine Online, 2019; 39(4): 583–595. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31078361)

Ergebnisse im Überblick

  • Effektive Schmerzlinderung bei Dysmenorrhö (Regelschmerzen)
  • Verminderung klimakterischer Symptome (Hitzewallungen, Schlafstörungen)
  • Verbesserte vegetative Regulation und Lebensqualität
  • Hinweise auf günstige Wirkungen auf ovarielle Durchblutung und Hormonregulation bei Kinderwunsch
  • Gute Verträglichkeit, keine hormonellen Nebenwirkungen

Weitere Hintergrundquellen

  • WHO – Official Position on Acupuncture and Indications (https://www.evidencebasedacupuncture.org/who-official-position)
  • Bundesärztekammer – Informationen zur ärztlichen Qualifikation und Fortbildung Akupunktur (https://www.baek.de/)
  • Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) (https://www.gesetze-im-internet.de/go__1982/index.html)

Weitere Anwendungsbereiche der Akupunktur

Neben den Hauptindikationen wie Rücken-, Gelenk-, Kopf- oder Allergieschmerzen wird Akupunktur auch erfolgreich bei einer Reihe funktioneller Störungen und chronischer Schmerzsyndrome eingesetzt. Dazu zählen Beschwerden des Verdauungstraktes, postoperative und tumorassoziierte Schmerzen, funktionelle Herz-Kreislauf-Störungen sowie Begleiterscheinungen onkologischer oder medikamentöser Therapien.

Die Studienlage zeigt, dass Akupunktur über neuroendokrine und antiinflammatorische Mechanismen wirkt und die Selbstregulation des Organismus stärkt.

Verdauungstrakt

Systematische Übersichtsarbeit von 17 randomisierten kontrollierten Studien mit 1 806 Patientinnen und Patienten. Akupunktur zeigte signifikante Verbesserungen von Bauchschmerz, Stuhlfrequenz und Lebensqualität im Vergleich zu Kontrollgruppen.

World Journal of Gastroenterology, 2015; 21(43): 13133–13148. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26673019)

Mehrere Studien deuten auf eine gute Wirksamkeit bei funktioneller Dyspepsie hin. Nach Akupunktur verbesserten sich Völlegefühl, Druckgefühl und Übelkeit signifikant.

Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2014; Article ID 343656. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24628354)

Onkologische Begleitbehandlung und postoperative Beschwerden

Diese Analyse beschrieb eine deutliche Wirksamkeit der Akupunktur (insbesondere Punkt PC6 Neiguan) gegen Übelkeit und Erbrechen nach Operationen und Chemotherapie.

Cochrane Database of Systematic Reviews, 2006; Issue 2: CD003281. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16625547)

Übersichtsarbeit zeigt, dass Akupunktur Schmerzen, Übelkeit, Fatigue sowie Polyneuropathien in der Tumortherapie wirksam lindern kann, ohne mit der Onkotherapie zu interferieren.

CA: A Cancer Journal for Clinicians, 2020; 70(5): 416–432. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32720001)

Neurologische und funktionelle Störungen

Chinesische Multicenter-Studie mit 1 075 Teilnehmenden. Akupunktur führte bei chronischer Obstipation zu einer signifikant höheren spontanen Stuhlfrequenz und besserer Lebensqualität als Scheinbehandlung.

Annals of Internal Medicine, 2017; 167(11): 761–769. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29181529)

Bestätigt eine positive Wirkung der Akupunktur auf Magen-Darm-Motilität und Übelkeitssymptome; Nebenwirkungen waren gering und vorübergehend.

Explore (NY), 2014; 10(2): 84–88. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24607077)

Ergebnisse im Überblick

  • Nachgewiesene Wirksamkeit bei funktionellen Störungen des Magen-Darm-Traktes
  • Evidenz für antiemetische und schmerzlindernde Effekte in der Onkologie und Postoperativ-Phase
  • Verbesserung vegetativer Regulation und Lebensqualität
  • Gute Verträglichkeit und flexible Einsetzbarkeit als begleitende Therapie

Weitere Hintergrundquellen

  • WHO – Official Position on Acupuncture and Indications (https://www.evidencebasedacupuncture.org/who-official-position)
  • Gemeinsamer Bundesausschuss – Abschlussbericht Akupunkturmodellvorhaben 2007 (https://backup.daegfa.de/www.g-ba.de/downloads/40-268-487/2007-09-27-Abschluss-Akupunktur.pdf)
  • Bundesärztekammer – Ärztliche Akupunktur: Qualifikation, Fortbildung und GOÄ-Regelung (https://www.baek.de/)
  • Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) (https://www.gesetze-im-internet.de/go__1982/index.html)