Das DÄGfA‑Symposium zum Thema „Konzepte von Gesundheit und Krankheit“ fand am 06.06.2026 zum zweiten Mal in Berlin statt. Die Veranstaltung ist integraler Bestandteil der zertifizierten Ausbildung im Medizinisch‑therapeutischen Qi Gong (Nei Yang Gong nach Prof. Liu Ya Fei) und in den derzeit laufenden zweiten Ausbildungszyklus eingebettet. Gleichzeitig stand sie interessierten Kolleginnen und Kollegen offen.
Balance zwischen Sympathikus und Parasympathikus
Dr. med. Dipl. Psych. Claus Derra (Arzt für Psychosomatische Medizin und Psychiatrie, Psychotherapeut und Supervisor) referierte in seinem Vortrag „Balance zwischen Sympathikus und Parasympathikus – wie wir das vegetative Nervensystem (VNS) wirksam beeinflussen können“ über die Grundlagen des VNS, die Wirkung von Stressreizen auf das Vegetativum und den Körper, insbesondere auf das System der Faszien. In diesem Zusammenhang wurde die Bedeutung von Stressoren bei der Entstehung chronischer Schmerzen sowie Neuroinflammation betrachtet. Gleichzeitig zeigte er Möglichkeiten zur Regulation des VNS durch Minimalinterventionen im Sinne von Musterunterbrechungen auf, wie z. B. regelmäßige kurze Übungssequenzen aus dem Qi Gong, Atemtechniken, Gehmeditation, „Pause forte“ (Schmerztherapietool) sowie Ansätze zur Erweiterung des Toleranzfensters.
Gesundheitsförderung durch chinesische Diätetik
Dr. Sarah Eisenhardt (Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie) gab in ihrem Vortrag „Die Kraft der Mitte stärken: Gesundheitsförderung durch chinesische Diätetik“ Einblicke in Möglichkeiten der Gesundheitsförderung durch die Diätetik als eine der fünf Säulen der Traditionellen Chinesischen Medizin. Sie erläuterte die fünf Wandlungsphasen und hob die Bedeutung des Funktionskreises Erde mit den Leitbahnen Milz/Magen als zentrale Akteure bei der Stärkung der Mitte hervor.
Praktische Einblicke in die Qi‑Gong‑Ausbildung
Dr. med. Petra Wüller (Fachärztin für Augenheilkunde, Praxis für Integrative Medizin, Mind‑Body‑Medizin) gab einen praktischen Einblick in die zertifizierte Aufbauausbildung der DÄGfA im Qi Gong. Sie lud alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums ein, gemeinsam Übungen der Grundstufe des Nei Yang Gong in Form der „Fröhlich stimmenden Klopfmethode“ zu praktizieren. Dem Klopfen verschiedener Gallenblasenpunkte an Rumpf und Extremitäten, die den Yang‑Aspekt des Funktionskreises Leber darstellen, kommt eine besondere Bedeutung beim sanften Bewegen des Qi und damit bei der Regulation von Emotionen zu. Jede und jeder konnte durch die Übungen die aktivierende und gleichzeitig ausgleichende Wirkung unmittelbar erfahren.
Salutogenese und Gesundheitsförderung
Dr. med. Miriam Ortiz (Fachärztin für Allgemeinmedizin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie) gab mit ihrem Vortrag „Konzepte und Praxis der Gesundheitsförderung – Salutogenese neu gedacht“ Einblicke in das biopsychosoziale Modell von Gesundheit und Krankheit. Sie stellte Möglichkeiten von Prävention und Gesundheitsförderung vor und führte aus, dass diese sowohl in der Verantwortung jedes Einzelnen als auch des Staates liegen. Dabei nehmen die moderne Naturheilkunde ebenso wie die Traditionelle Chinesische Medizin in ihrer Mehrdimensionalität einen besonderen Stellenwert als gesundheitsfördernde Ressource ein.
Einblicke in die Mind‑Body‑Medizin
PD Dr. med. Barbara Stöckigt (wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Allgemeinmedizin & Interprofessionelle Versorgung der Universität Tübingen) gab mit ihrem Vortrag Einblicke in die Mind‑Body‑Medizin. Sie stellte deren zentralen Grundsatz vor und erläuterte, wie emotionale, psychologische, spirituelle, soziale, erfahrungs‑ und/oder verhaltensbezogene Faktoren die menschliche Gesundheit beeinflussen. Gleichzeitig zeigte sie auf, wie durch Verhaltensänderung, Bewegung, Entspannung und Ernährung die Eigenkompetenz jedes Einzelnen gestärkt und ein Zustand der Ausgeglichenheit erreicht werden kann. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten zudem die Möglichkeit, aktiv an einer Achtsamkeitsübung teilzunehmen.
Modelle der Verhaltensänderung
Dr. med. Anna Mietzner (Fachärztin für Allgemeinmedizin, Privatpraxis für TCM) lud die Symposiumsteilnehmerinnen und ‑teilnehmer zu einem weiteren praktischen Teil ein. Aus den bewegten Übungen der Grundstufe sowie den gesunderhaltenden Selbstmassagen stellte sie die Massage der Sinnesorgane von Augen, Ohren und Nase vor und brachte die einzelnen Übungsfolgen näher. Gleichzeitig erläuterte sie die Wirkung des Augen‑ und Ohren‑Qi‑Gong sowie der Nasen‑/Erkältungsmassage. So konnten auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich nicht in der Aufbauausbildung befinden, kleine Übungssequenzen zur Integration in den Alltag mitnehmen.
Dipl. Psych. Christel von Scheidt (Diplom‑Psychologin, Mind‑Body‑Medizin) gab in ihrem Vortrag eine „Einführung in ein Modell der Verhaltensänderung – wie wir Patient*innen ressourcenschonend in der Lebensstilveränderung begleiten können“. Sie stellte Techniken und Methoden der Mind‑Body‑Medizin vor, mit deren Hilfe sich Geist und Körper gegenseitig positiv beeinflussen können. In ihrem interaktiven Vortrag wurde das transtheoretische Modell der Verhaltensänderungsmotivation besprochen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernten die verschiedenen Stufen der Motivation zur Verhaltensänderung kennen und erhielten Impulse für die Begleitung hin zu einer nachhaltigen Lebensstiländerung.
Lebendiger Austausch und Abschluss des Symposiums
Die Fachvorträge wurden mit großem Interesse verfolgt und regten zu einem lebhaften und offenen Dialog an. Zahlreiche Fragen und Beiträge verdeutlichten die Relevanz der behandelten Themen. Sie bereicherten das Symposium maßgeblich und trugen zu einer inspirierenden Atmosphäre bei.
Den Abschluss des Symposiums bildete die Vorführung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der laufenden Aufbauausbildung mit bewegten Übungen der Mittelstufe des Nei Yang Gong aus der Reihe „Wandle Muskeln und Sehnen und bewege das Qi“ unter der Anleitung von Dr. med. Iris Abramowski. Die Zuschauer zeigten sich beeindruckt von den Fertigkeiten und der Ruhe, die die Übenden ausstrahlten, und zugleich inspiriert.
Mit bewegten Übungen der Mittelstufe des Nei Yang Gong („Wandle Muskeln und Sehnen und bewege das Qi“) gestalteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Aufbauausbildung den Abschluss des Symposiums.